Donnerstag, 3. März 2011

Schiffsanleger ist zu teuer

03.03.2011
Schiffsanleger ist zu teuer
Ratzdorf (moz) Die Gemeinde Neißemünde will den kommunalen Schiffsanleger am Oderufer in Ratzdorf loswerden. Die weitere Unterhaltung der stark beschädigten Vorrichtung würde zu viel Geld kosten. In diesem Jahr wäre eine TÜV-Prüfung fällig. Favorisiert wird der Verkauf des Anlegers.
© MOZ/Gerrit Freitag
Frank Groneberg Red. Eisenhüttenstadt
Schiffe machen an dem Anleger unweit des Oderdammes schon seit Jahren nicht mehr fest. Für viel Geld waren der Ponton und der Landesteg einst in Ratzdorf verankert worden – damit große Fahrgastschiffe dort festmachen, Passagiere aussteigen und vielleicht eine der vier Gaststätten im Dorf besuchen konnten. Doch die Fahrgastschifffahrt ist auf der Oder längst zum Erliegen gekommen. Der Kapitän des letzten Schiffes, der MS „Fürstenberg/Oder“ hat das Ruder schon vor einigen Jahren aus der Hand gegeben. Und angelegt hatte er in seinen letzten Dienstjahren ohnehin nicht mehr in Ratzdorf – schließlich sollten seine Passagiere nicht die Umsätze der dortigen Gastronomen stärken, sondern Kaffee, Kuchen, Eis, Würstchen und andere Köstlichkeiten bei ihm auf dem Schiff kaufen.
Der große Anleger, einst freudig begrüßt und mit Hilfe von Fördermitteln finanziert, ist für die Gemeinde längst zur Last geworden. Er kann nämlich nicht bei jedem Hochwasser aufs schützende Land gebracht werden – der Aufwand wäre zu groß. Die Folge: Eisschollen und Treibgut haben der Vorrichtung heftig zugesetzt. Risse sind entstanden, durch die Wasser in den Ponton eindringen konnte. Rost breitet sich aus, zerfrisst besonders das Innere des schwimmenden Stahlkolosses.
Schon im vergangenen Jahr grübelten die Gemeindevertreter darüber, wie weiter mit dem Anleger zu verfahren sei. Was sie damals noch nicht wussten: Der Anleger muss vom TÜV abgenommen werden, die nächste Prüfung ist in diesem Jahr fällig. „Die TÜV-Prüfung würde uns 3000 bis 4000 Euro kosten“, informierte jetzt Thomas Tavernier, Bauamtsleiter in der Neuzeller Amtsverwaltung, während einer Ausschusssitzung in Coschen. „Dass wir einen TÜV brauchen, war mir nicht bewusst, aber die Prüfung ist nötig, weil es sich bei der Oder um ein internationales Fließgewässer handelt.“ Zu diesen Prüfgebühren kämen aber noch die Kosten für die Beseitigung der Schäden dazu – insgesamt wären das etwa 16 900 Euro.
Die Abgeordneten waren sich einig darin, dass der große Schiffsanleger nicht mehr gebraucht werde. Ein Vorschlag, die Vorrichtung zu verkaufen, fand allgemeine Zustimmung. Von dem Erlös, so regte ein Bürger an, sollte ein kleinerer Schiffsanleger für Sportboote gekauft werden. Dieser sollte so dimensioniert sein, dass er vor jedem Hochwasser und Eisgang in Sicherheit gebracht werden könnte.
„Wir reden hier schon das zweite Jahr darüber, dass wir einen Wasserwanderrastplatz einrichten wollen“, sagte Neißemündes Bürgermeisterin Ute Petzel, „die Kosten würden etwa 7200 Euro betragen.“ Doch ganz so einfach ist das mit dem Verkauf nicht. Denn bis zum Jahr 2014 gilt die Bindefrist für die Fördermittel, die einst für die Anschaffung des Anlegers geflossen waren – ein früherer Verkauf würde eine Rückzahlungsforderung nach sich ziehen. Im Wasser liegen bleiben darf die Vorrichtung ohne TÜV-Plakette jedoch auch nicht. Ein neuer Vorschlag lautet nun, den Schiffsanleger zu bergen und bis zum Ablauf der Fördermittel-Bindefrist an Land einzulagern. Dafür ist der Einsatz schwerer Technik nötig – und der wird auch viel Geld kosten.

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