Sonntag, 26. Juni 2011

Der Werbellinkanal ist eröffnet

"Leinen los" zum ersten Bootskorso

Marienwerder (moz) Der Werbellinkanal ist eröffnet. Mit einem ganztägigen Fest und einem Bootskorso ist die Wiederherstellung der vor Jahren zugeschütteten drei Kilometer langen Strecke am Freitag gefeiert worden. Zusammen mit Brückenbau, Rekultivierungs- und Ausgleichsmaßnahmen hat das Projekt sechs Millionen Euro verschlungen.
Die wiederhergestellte Strecke reicht von der alten Mündung des Werbellinkanals unweit der Ruhlsdorfer Schleuse über den Finowkanal bis zum ehemaligen Sägewerk. Allerdings trifft Wiederherstellung nicht für die ganze Strecke zu. Über die Jahre entstandene Fakten sorgten dafür, dass die Trasse stellenweise vom ursprünglichen Kanal abweicht, aber wieder den Anschluss zur Kreuzung mit dem Oder-Havel-Kanal in Marienwerder findet. Von dort geht es über die alte Trasse zum Werbellinsee.
Zum Ende des Monats erfolgt die Freigabe für die Schifffahrt in dem neuen Abschnitt, zum September ist mit der Aufnahme des führerscheinfreien Charterbootverkehrs zu rechnen, kündigte Marienwerders Bürgermeister Mario Strebe in seiner Eröffnungsansprache an. Darin ließ er auch nicht die großen politischen Auseinandersetzungen um den Kanalausbau aus. Er bekannte sich dazu, dass er, aus finanziellen Gründen, lange zu den Gegnern des Pojektes gehörte, als neu gewählter Bürgermeister aber den Bau begleitet hat und dabei zu einem Befürworter geworden ist. Vor den mehr als 200 Teilnehmern der Eröffnung hob er auch den großen Anteil des ehemaligen Bürgermeisters Danko Jur hervor, der das Projekt auf den Weg gebracht und begleitet hatte.
Gleichzeitig verwies Strebe aber auch darauf, dass es schon einmalig sei, dass eine Gemeinde mit 1800 Einwohnern solch eine Investition von rund sechs Millionen Euro stemme. Ohne die Unterstützung der Europäischen Union, die mehr als drei Millionen Euro bereitstellte, 600 000 Euro, mit denen der Kreis das Vorhaben unterstützte und mit gut 250 000 Euro der Arbeitsagentur wäre dies nicht möglich gewesen. Dennoch blieb am Ende mehr als eine Million Euro, die die Gemeinde zu tragen hatte.
Das einmalige Projekt hat inzwischen auch den Bund auf Marienwerder aufmerksam werden lassen, sagte Barnims Landrat Bodo Ihrke. Der Kanal gelte inzwischen als Musterfall für die Nutzung von wirtschaftlich unbedeutend gewordenen Wasserstraßen für den Tourismus. Auch in Frankreich und Großbritannien interessiere man sich dafür.
Dass das Projekt auch für die die Amtsverwaltung Biesenthal-Barnim eine Herausforderung war, umriss Vize-Amtsdirektor Volkmar Schönfeld, indem er den Kanalbau mit der „Bezwingung der Niagarafälle“ verglich. Zum Planverfahren hätten auch Altlastenuntersuchung, landschaftspflegerischer Begleitplan, Vermessung, Archäologie und Projektsteuerung gehört, zählte er auf. Nicht zuletzt sei mit der Klage gegen den Planfeststellungsbescheid noch eine Nuss zu knacken gewesen.
Trotz aller Probleme – bei freundlichem Wetter, Freibier und einem Bootskorso ist mit der Eröffnung des Kanals der erste große Abschnitt des Projekts versöhnlich zu Ende gegangen.

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/320678/

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