Freitag, 15. Juli 2011

Reform der WSV – Machbarkeitsstudie des BMVBS


Reform der WSV – Machbarkeitsstudie des BMVBS
Eckpunkte einer Stellungnahme aus wassertouristischer Sicht

1.    Zu begrüßen ist, dass der Bund seine gewässerbezogenen Infrastrukturaufgaben in Zukunft als wesentliche Randbedingung nachhaltig auskömmlichen Wirtschaftens der Wassertourismusbranche begreifen will.

2.    Nicht zu beanstanden ist die Absicht, die Mittelallokation des Bundes zu optimieren und Effizienzgewinne zu realisieren.


3.    Nachvollziehbar ist ferner die Ausrichtung des staatlichen Handelns auf die Schwerpunkte des Gütertransportes auf Wasserstraßen. Die Gliederung der Wasserstraßen nach ihren Funktionsschwerpunkten ist plausibel.

4.    Auch Überlegungen zu neuen Verwaltungs- und Organisationsformen sind begründet. Es ist jedoch unverständlich, wenn größerer personeller und organisatorischer Aufwand in neuen Strukturen entstehen soll, als in alten abgebaut werden kann.

5.    Die Gretchenfrage für den Wassertourismus ist, ob der Bund – unabhängig vom Verlauf und den Ergebnissen des Reformvorhabens – die volle Funktionsfähigkeit des „Wassertourismusnetzes“ im Bestand nachhaltig bewahren wird. Zurzeit spricht einiges dafür, dass der Bund ins Kalkül zieht, sich schrittweise aus seiner Daseinsvorsorgeverpflichtung in diesem Bereich zu verabschieden.

6.    Ferner muss der Begriff des „Wassertourismus“ in einem weiten Bedeutungszusammenhang gefasst werden. Bislang beziehen sich die vom BMVBS vorgelegten Texte nur auf die Nutzung von Gewässern als Wasserstraßen durch Wasserfahrzeuge. Das ist eine die wirtschaftliche Bedeutung von Gewässern für den Tourismus nur unzulänglich abbildende Verengung.

7.    Ferner ist die Bezugnahme auf „Wasserstraßen“ zu hinterfragen, weil es bei der tourismus-wirtschaftlichen Nutzung der durch Gewässer geprägten Landschaften nicht auf die formelle Unterscheidung von Gewässern ankommt, sondern auf deren praktische Erlebbarkeit. Droht nach Entwidmung eines Gewässers als Wasserstraße dessen Renaturierung und in der Folge das Verbot jeglicher wassersportlicher Nutzung?

8.    Eine Vielfalt der Nutzungen am, im und auf dem Wasser muss Ziel der Tourismuswirtschaft bleiben, wobei in naturgeprägten Landschaften umweltpolitische Belange den Rahmen bilden müssen, um die Grundlagen des Naturkapitals zu bewahren und zu erneuern. Gleichzeitig sind die hydraulischen Zusammenhänge der ober- und unterirdischen Gewässer zu berücksichtigen – ein Aspekt, der bislang ohne Beachtung blieb.

9.    Ganzheitliche Kriterien für die Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens von Investitionen in die wassertouristische Infrastruktur müssen erst noch entwickelt werden; die Verengung auf Wasserfahrzeuge oder gar die Tonnage der Lastschifffahrt sind dafür nicht geeignet.

10. Die eiszeitliche Naturlandschaft im Nordosten Deutschlands ist das größte zusammenhängende Wasser- und Waldgebiet. Diese Mecklenburgisch-Brandenburgische Seenplatte und die Berliner Havelgewässer sind als funktionelle Einheit zu betrachten.

Kommentare:

  1. "Droht nach Entwidmung eines Gewässers als Wasserstraße dessen Renaturierung und in der Folge das Verbot jeglicher wassersportlicher Nutzung?"

    Wo kommt diese Meldung den her? Seit wann sind renaturierte Flüsse oder natürliche Flussläufe denn für den Wassersport nicht nutzbar? In zig europäischen Ländern geht das prima gemeinsam, weswegen also diese Furchbotschaft? Sie stimmt einfach nicht und baut einen Gegensatz auf der so einfach pauschal nicht stimmt. Menschen fahren auf Flüssen um Natur zu erleben. Renaturierte Flüsse bieten dafür eine viel größere Erlebnismöglichkeit als kanalähnliche, ausgebaute Wasserrinnen. Und ja, da wäre es gut, wenn die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung das zukünftig weiter machen würde, aber mit dem Blickwinkel "so Naturnah wie möglich". Was auch die gesetzliche Vorgabe ist...

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  2. Aus der Sicht des Paddlers wertet Naturschutz Gewässer eindeutig auf, das ist doch klar. Insoweit gibt es keinen Widerspruch und auch wir beide wünschen uns die Welt in die selbe Richtung. Aber. Die Menschen haben das Recht gemacht und Planfestellungsverfahren und hier gibt es mitunter Risiken und Nebenwirkungen, die ich als Laie nicht überschauen kann. Experten haben darauf hingewiesen, dass nach der Entwidmung Gewässer quasi als Ausgleich für Bauschäden an anderer Stelle stillgelegt (auch für Paddler) werden könnten. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. ICH weiß es ja nicht besser, MEINE Rolle hier ist die eines Glockenschlägers gewesen, der erstmal für Informationen sorgt, für Aufmerksamkeit und, wenn alles gut geht, für Diskussion der Experten. Also: Nur zu!

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